Geschichte der Nicolai-Kirche in Leipzig
Vor 20 Jahren, am 4. September 1989, war die erste Demonstration in Leipzig nach dem Friedensgebet vor der Nikolai-Kirche.
Durch die Leipziger Messe in der Stadt konnten westliche Fernsehredakteure darüber berichten, wie die Polizei die Leute, die aus der Kirche kamen, zusammenschlug und abführte.
Sieben Jahre lang schon hatten sich unter Pastor Christian Führer in der Nikolai-Kirche (Bild) Menschen zum Friedensgebet jeden Montag zusammen gefunden. Sie brachten vor Gott die Probleme der Zeit und der Gesellschaft: das Wettrüsten zwischen Ost und West, die Umweltbelastung gerade in Leipzig und Umgebung, die Hoffnungslosigkeit vieler Menschen angesichts der Unfreiheit und erstarrter Strukturen im Staat.
Ängste und Hoffnungen wurden in der Kirche ausgesprochen, doch all dies geschah in einer kirchlichen Nische. Was konnten Gebete und im kleinen Kreis ausgesprochene Gedanken und Hoffnungen verändern? Doch die Berichte durch das Westfernsehen über die in Leipzig geschehene Gewalt, ließen nun in der unzufriedenen Bevölkerung der DDR an allen Orten kirchliche Friedensgruppen und Bürgerrechtsaktivisten näher zusammen rücken.
Von der Nikolai-Kirche in Leipzig ging seit jenem Montag Woche für Woche, trotz massiver staatlicher Drohungen, nun eine immer größere Menge nach dem Friedensgebet (Bild) auf die Straße. Am bedrohlichsten war es am 8. Oktober. Von allen Kirchen Leipzigs aus strömten über 70 000 zur Zentrale der Staatsmacht in Leipzig, der Bezirksbehörde der SED und der Zentrale des Staatsicherheitsdienstes. Mit brennenden Kerzen und auf Bettlaken geschriebene Losungen wollten sie ein sichtbares Zeichen setzen, dass grundlegende Wandlungen in der Gesellschaft nötig sind. „Keine Gewalt“ riefen sie den schwer bewaffneten Polizisten und den aus der ganzen DDR zusammen gezogenen Panzer-Einheiten entgegen.
Ausgehend von dem Friedensgebet wurden Leute, die vorher als Jungendliche in vormilitärischer Erziehung zum Klassenkampf und Hass angehalten waren, zu Werkzeugen des Geistes Gottes. Die meisten der Demonstrierenden waren dabei keineswegs Christen, doch ohne es selber zu wissen, waren sie mit dem Ruf und ihrem Verhalten „Keine Gewalt“ zu biblischen Friedensboten geworden. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht Gott“ - heißt es ja im Sacharjabuch.
Auch wenn Angst viele Menschen noch beherrschte, durch die Friedensgebete und die Gemeinschaft verwandelte sich diese in Mut. Die in den Kirchen (Bild) entzündeten Kerzen, wurden zum Zeichen des friedlichen Geistes dieser Revolution. "Vom Geist der Liebe und der Versöhnung entzündete Menschen, tragen Licht in die Welt". Von Leipzig ging dieses Kerzen- und Hoffnungslicht durch alle Städte des Landes.
Damals begann eine Wandlung der Gesellschaft. Von Woche zu Woche überstürzten sich die Ereignisse: Veränderungen, die keiner vorher für möglich gehalten oder geplant hatte. Der revolutionäre Herbst im Osten Deutschlands zog – ausgehend von den Kirchen – in großer Geschwindigkeit die Bevölkerung in seinen Bann. Eine unglaublich schöpferische Phase ließ ungeahnte Kräfte wachsen auch bei den Menschen, die sich vorher nur angepasst hatten. Wir alle spürten plötzlich hautnah, wie Gott - wie durch ein Wunder - Geschichte schreibt, ja, wir selber durften ein Teil davon sein.
Manchem Prediger gaben die Texte der Befreiung aus Ägypten und der Wüstenwanderung vom alten Gottesvolk ganz unmittelbar Bezüge zur erlebten Gegenwart. Viele Bibelworte sprachen genau in unsere Situation hinein. Alle Beteiligten im Raum der Kirchen waren ungeheuer gefordert. Die Erwartung der Menschen – auch vieler, die mit der Kirche eigentlich keine Berührung mehr hatten - war gegenüber den Kirchenleuten groß. Sie galten als politisch unbelastet, kannten demokratische Spielregeln. Plötzlich stand die vorher gerade geduldete Kirche, die sich mühsam eine Nische erhalten hatte, mitten im Blickfeld der Öffentlichkeit. Für so manchen bedeutete diese Zeit auch so etwas, wie eine innere Zerreißprobe: Es war eine aufregende Zeit, die dann schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.

Wir haben einige Filme gesammelt und mitgebracht, die über jene, auch geschichtlich spannende, Zeit berichten. Wir würden sie gerne einem größeren Kreis von Interessierten in der Gemeinde hier auf Rhodos zeigen.
Elisabeth und Michael Erben

Einladung zum Filmabend

"Nikolai-Kirche Leipzig"


am 09.10., um 19.30 Uhr

im Gemeindezentrum

Herr Oberkirchenrat M. Riedel-Schneider, Referent für Griechenland, kommt zu Besuch und möchte unsere Gemeinde kennen lernen. Mit ihm zusammen wollen wir

am Do. 05.11.09 um 19.00 Uhr den

20. Jahrestag zum "Mauerfall"

in unserem Zentrum feiern und laden alle Mitglieder und Freunde herzlich ein.
Der Festabend beginnt mit einem Vortrag und anschließender Gesprächsrunde.
Danach sind alle Gäste zu einem Imbiss und Getränke eingeladen.


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