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Kapellen - ein Anziehungspunkt |
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| Bei meinen Fahrten durchs Land fielen mir die vielen kleinen und kleinsten Kapellen auf, manche davon alt und ehrwürdig. Mit mittelalterlichen Ikonen sind sie ein Anziehungspunkt für Touristen. Jeder Reiseführer hebt sie besonders hervor. Dann aber finde ich auch so manche ganz neu erbaute Kapelle, weitab von Dörfern. Die Ikonen leuchten in frischen Farben. Meist sind die Türen nicht verschlossen. Ein Ort zur stillen Andacht; die brennenden Kerzen weisen deutlich darauf hin. | ![]() |
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Trotz der Abgeschiedenheit sucht mancher den Ort und findet hier Einkehr. In der Vierung des kreuzförmigen Baues blickt meist der erhöhte Christus herab; eine schlichte Ikonenwand begrenzt den oft sehr einfachen Altar. Im Hintergrund kann man das Bild des Gekreuzigten erahnen. Die Vielzahl der Heiligen an den Wänden überwältigt und nimmt uns mit in eine andere Welt. Aus dem Alltag heraus treten wir in die Welt der Vollendeten. Die himmlische Herrlichkeit soll uns umhüllen. Die Orthodoxie will ja nicht den Intellekt ansprechen, sondern das Herz. Wir sollen gleichsam den Himmel erblicken. So sind die kleinen Kapellen wie Fenster des Himmels mitten in der alltäglichen Welt. Ein Ort, um unterwegs für kurze Zeit innezuhalten, sich zu besinnen und zu beten. Ein Fenster des Himmels, der ja nicht der kalte Weltraum über uns ist, sondern uns Gottes bergende und erlösende Nähe eröffnet. Solche Orte braucht die Seele. Der Alltag mit den vielen Ansprüchen und Angeboten droht ja sonst alles gleichförmig zuzudecken. In vielfältigen Situationen des Lebens, mitten in Sorgen, einen besonderen Ort des Gebetes zu haben, tut gut. Man braucht dort gar keine Worte. Beim Eintreten spüre ich die Stille, die Gegenwart der Heiligen und damit Gott selbst. Liebevoll werde ich angeblickt. Beim Entzünden einer Kerze kann ich auf ein Hoffnungslicht sehen. Ich spüre die Sehnsucht nach Vollendung, nach Liebe. Viel könnten diese äußerlich unscheinbaren Kapellen erzählen über die verschiedenen Menschen, auch wenn niemals eine große Gemeinde den Raum füllt. Denn hier zählt nicht das irdisch Berechenbare, sondern das, was mit Empfindungen, Gefühlen und den Gedanken des Herzens geschieht. In den evangelischen Kirchen in Deutschland hat solche Erfahrung aus der Ökumene die Bewegung "offene Kirche" angeregt. Gegen den durch Kunstdiebstahl verursachten Sicherheitstrend werden in dieser Aktion Kirchen offen gehalten. Die Kirchen sollen Orte des Innehaltens, des Gebetes, der Betrachtung der Kunstwerke ebenso wie des eigenen Lebens sein. Kirchen und Kapellen sind seit alters her nicht nur Versammlungsräume der Gemeinde, sondern sollten uns einladen, den mit Christus geöffneten Himmel in unseren Herzen wahrzunehmen. Für manchen unter uns hat eine solche Funktion auch das Kruzifix in der Wohnung oder ein meditatives Bild, das ihm viel bedeutet. Michael Erben |
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