Kirche Aktuell

Deutschsprachige evangelische Gemeinden in Griechenland verbessern ihre Zusammenarbeit

Im Mai 2016 fand ein Treffen aller deutschsprachigen evangelischen Gemeinden in Griechenland in Thessaloniki statt. Delegierte aller bislang existierenden Gemeinden waren anwesend, also aus Athen, Thessaloniki, Kreta und Rhodos. Anlass war das neue Religionsgesetz des griechischen Staates, das von einzelnen Gemeinden verschieden interpretiert wird, und der Wunsch, die konkrete Zusammenarbeit unter den Gemeinden zu verbessern.
Nach längerer Diskussion aller anstehenden Einzelfragen haben wir uns auf folgendes vorläufiges Konzept geeinigt: Die Gemeinden arbeiten als Konferenz deutschsprachiger evangelischer Gemeinden zusammen. Diese Konferenz trifft sich einmal jährlich an wechselnden Orten. Die Leitung, Vorbereitung und Protokollierung der Konferenz liegt bei der einladenden Gemeinde.
Die Konferenz beinhaltet
– einen geistlich-theologischen Schwerpunkt, der auch als Fortbildung dienen kann;
– die Beratung und Entschlussfassung in Problemlagen, die einzelne Gemeinden oder alle bewegen
(Berichte über die laufende Arbeit der Gemeinden auf dieser Konferenz sind nicht notwendig, da sich alle Gemeinden auch jetzt schon gegenseitig über ihre Gemeindebriefe informieren und sich zunehmend per Link vernetzen)
– die Vorbereitung gemeinsamer Aufgaben und Anliegen (Vertretung auf dem Kirchentag, Reisen, Öffentlichkeitsarbeit…)
Zur Konferenz entsendet jede Gemeinde mindestens zwei Vertreter.
Bei Entschlussfassungen, die für die Zukunft der Gemeinden in Griechenland oder für den Fortbestand der Konferenz von Bedeutung sind, gilt das Konsensprinzip, bei anderen die einfache Mehrheit, wobei jede Gemeinde zwei Stimmen hat.
Die Entschlussfassungen der Konferenz werden in den Vorstand der Heimatgemeinde getragen, dort ebenfalls beraten und per Konsens oder einfacher Mehrheit angenommen, in Fällen die die Ortsgemeinde insgesamt betreffen, entscheidet die Gemeindeversammlung.
Jede Gemeinde bleibt damit souverän.
Einen ersten Konsens gab es bei diesem Treffen, weil alle Gemeinden mit mindestens zwei Delegierten vertreten waren und diese Ordnung für unsere künftige gemeinsame Konferenz deutschsprachiger evangelischer Gemeinden in Griechenland als Entschlussfassung angenommen haben.
Diese Entschlussfassung muss nun durch die Vollversammlungen der Einzelgemeinden angenommen und damit gleichsam ratifiziert werden. Dieser Prozess soll bis April 2017 abgeschlossen sein. Dr. Bernd Busch

Reformationsjubiläum beschäftigt Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

Bergisch Gladbach (epd). Das 500. Jubiläum der Reformation im kommenden Jahr hat am Mittwoch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland beschäftigt. Der Zusammenschluss von 17 Kirchen mit insgesamt rund 50 Millionen Christen diskutierte auf seiner Frühjahrs-Mitgliederversammlung in Bergisch Gladbach über ein eigenes “Wort zur Reformation”. Die Erklärung werde aber vermutlich erst auf der nächsten Mitgliederversammlung im September verabschiedet, sagte ACK-Sprecher Marc Witzenbacher dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Das Leitungsorgan der ACK befasste sich auch mit dem Ökumenischen Tag der Schöpfung, der in den kommenden Jahren unter anderem in Bingen, Lübeck und Heilbronn stattfinden soll. Weiteres Thema war die Gebetswoche für die Einheit der Christen im kommenden Jahr.
Am Donnerstag wählt die Mitgliederversammlung einen neuen ACK-Vorstand. Außerdem soll es zum Abschluss des zweitägigen Treffens um die Situation verfolgter und bedrängter Christen in der Welt gehen. In dem 1948 gegründeten kirchlichen Dachverband sind neben den evangelischen, orthodoxen und römisch-katholischen Kirchen auch die Alt-Katholiken und Anglikaner sowie Freikirchen zusammengeschlossen. epd – Schwerpunkt Artikel – 07.04.2016
Margot Käßmann: 500. Reformationsjubiläum hat globale Perspektive

Internationale Ökumene-Tagung in Halle eröffnet

Halle (epd). Das Reformationsjubiläum 2017 wird nach Worten der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann zum ersten Mal in einer globalen Perspektive stattfinden. Daher müsse unter anderem der Dialog mit anderen Religionen wie dem Islam beim 500. Jahrestag der Reformation ein Schwerpunkt sein, sagte die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Lutherjahr am Mittwochabend in Halle zur Eröffnung einer internationalen Ökumene-Tagung. Es sei auch der erste große Jahrestag der Reformation seit dem Beginn der ökumenischen Bewegung vor rund hundert Jahren. Auch dies spiele bei den Feiern im kommenden Jahr eine wichtige Rolle.
2017 sei freilich auch der erste große Jahrestag der Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers nach dem Holocaust, fügte Käßmann hinzu. Das Versagen vieler Christen mit Blick auf die Juden in der Zeit des Nationalsozialismus habe allerdings einen Lernprozess ausgelöst. Auch die evangelische Kirche habe sich inzwischen mit den Schattenseitenseiten Luthers, insbesondere seinen antijüdischen Schriften, auseinandergesetzt, hob die Theologin hervor. So bekenne sich die evangelische Kirche heute klar zu der Aussage: “Wer Juden angreift, greift uns an.”
Seit Mittwoch tauschen sich in Halle mehr als 120 Teilnehmer aus Asien, Afrika, Amerika und Europa in den Franckeschen Stiftungen über die reformatorische Tradition in verschiedenen Regionen der Welt aus, wie die Veranstalter mitteilten. Neben den Themen Menschenrechte und Umweltschutz widme sich die viertägige Ökumene-Tagung besonders Erziehungs- und Bildungsfragen. Der erste Teil der Konsultation fand im vergangenen Jahr in Brasilien statt.
Der Präsident der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der südafrikanische Pfarrer und Theologieprofessor Jerry Pillay (Pretoria), sprach sich für eine Erneuerung der reformiert-christlichen Lehraussagen für die heutige Zeit aus. Die christlichen Kirchen müssten angesichts zahlreicher Krisen und Konflikte zu Harmonie und Frieden beitragen. Zur Weltgemeinschaft reformierter Kirchen gehören 80 Millionen Christen aus reformierten, presbyterianischen, unierten und waldensischen Kirchen. Der Dachverband unterstützt in Zusammenarbeit mit ihren über 225 Mitgliedskirchen Aktivitäten in den Bereichen Gerechtigkeit, kirchliche Einheit und Mission in über 100 Ländern.
Das einstige Kernland der Reformation sei heute eine der weltlichsten und säkularisiertesten Regionen in der Welt, sagte die Theologin und Kulturwissenschaftlerin Monika Wohlrab-Saar von der Universität Leipzig. Sogar zwischen dem früheren West- und Ostdeutschland scheine es noch zwei getrennte Kulturen zu geben, die man am jeweiligen Grad der Religiösität unterscheiden könne. Dennoch gibt es Wohlrab-Saar zufolge in der ostdeutschen Jugend einen leichten Trend hin zu einer “spirituellen Neugier”.
Die Veranstaltung “Reformation – Education – Transformation” wird neben den Franckeschen Stiftungen und der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg getragen vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland, “Brot für die Welt”, der theologischen Fakultät in São Leopoldo, Brasilien, den ökumenischen Weltbünden Ökumenischer Rat der Kirchen, Lutherischer Weltbund und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie weiteren Partnern.
Die Franckeschen Stiftungen wurden 1698 von dem evangelischen Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663-1727) gegründet. In der Folge entstand eine Schulstadt, zu der heute mehr als 40 Bildungs- und Sozialeinrichtungen gehören. Das ökumenische Projekt der Twin Consultations soll einen Beitrag aus internationaler, interkultureller und ökumenischer Perspektive zur Bearbeitung des Themenfeldes “Reformation und Eine Welt”, dem Themenjahr der EKD im Rahmen der Reformationsdekade, liefern. epd – Schwerpunkt Artikel – 26.05.2016
Erster Panorthodoxer Kongress seit vielen Jahren
Bedford-Strohm: Orthodoxes Konzil wird Beziehungen stärken
Heraklion, München (epd). Das erste große orthodoxe Konzil seit mehr als 1.000 Jahren wird nach Einschätzung des Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen stärken. “Das ist mein deutlicher Eindruck”, sagte der bayerische Landesbischof auf Kreta dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Konzil habe in seiner Schlussbotschaft “den ausdrücklichen Willen zum Dialog mit den nicht-orthodoxen Kirchen” betont.
Damit werde das, was der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., Ehrenoberhaupt der orthodoxen Weltkirche, bereits praktiziert habe, von dem Konzil ausdrücklich unterstützt. Er habe sich sehr über die “außerordentliche Herzlichkeit” gefreut, mit der die ökumenischen Gäste empfangen worden seien. Bartholomäus I. habe ihn persönlich begrüßt, sagte Bedford-Strohm. Darin zeige sich auch der Erfolg vieler Dialoge, den die EKD bisher mit den Orthodoxen geführt habe.
Bedford-Strohm bedauerte, dass einige orthodoxe Kirchen nicht an dem Konzil teilnahmen. Die Patriarchen von Bulgarien, Georgien und Antiochien sowie die Russische Orthodoxe Kirche hatten kurzfristig abgesagt. Im Abschlussgottesdienst des Konzil sei für die abwesenden Kirchen ausdrücklich gebetet worden, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Umgekehrt habe auch der Patriarch von Russland erklärt, dass er für die Versammlung betet. “Ich hoffe darauf, dass dieses gemeinsame Gebet die Grundlage dafür sein kann, dass die Beschlüsse des Konzils keine spaltende Wirkung haben”, sagte Bedford-Strohm.
Nur zehn der orthodoxen 14 Kirchenoberhäupter kamen nach Kreta. Das Treffen, das schon seit mehr als 50 Jahren vorbereitet wurde und als kirchenhistorische Sensation galt, fiel damit deutlich kleiner aus als vorgesehen. Beobachter führten dies auch auf Machtspiele zwischen Moskau und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel zurück.
Für den Abschluss des Konzils waren neben Bedford-Strohm auch andere ökumenische Beobachter eingeladen, unter anderen der Präsident des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch.
epd – Schwerpunkt Artikel – 04.08.2016

Theme by Sikhi.sm