„Schon in der Video-Konferenz mit der Gemeindeleitung haben wir es mitbekommen: in der Gemeinde auf Rhodos duzen sich alle. Da machen wir gerne mit und sind das von unserer alten Gemeinde im Großen und Ganzen auch gewohnt. Also:

Ihr Lieben aus der Gemeinde auf Rhodos!

So sehen wir aus, wenn wir uns an die Masken- Regel halten sollen. Für 10 Monate kommen wir zu Euch, um Euer Gemeindeleben zu unterstützen. Wir werden ganz sicher viele Gelegenheiten haben, uns gegenseitig kennenzulernen. Von uns nur ein kleiner Eindruck für Euch:

Beide sind wir seit 2 Jahren in Rente. Beide sind wir in der Umgebung von München aufgewachsen und kamen gemeinsam 1975 nach Berlin zum Studium der Sozialarbeit. Als Sozialarbeiter haben wir auch beide gearbeitet, bevor ich mit dem Theologiestudium anfing. Dorle war in der Arbeit mit Obdachlosen engagiert und hat in Berlin mit ihren Kolleginnen wesentliche Akzente gesetzt. Sicher wird sie bei Euch mehr davon erzählen, denn ihre Straßensozialarbeit am Bahnhof Zoo zu Mauerzeiten war schon interessant.

Ich habe in Berlin studiert, ein Jahr davon an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Die Beschäftigung mit dem Judentum hat mich sehr geprägt, ich werde es auch bei Euch nicht verheimlichen können.
Gemeinsam sind wir für ein halbes Jahr nach Bengalen gefahren (indischer Bundessstaat West- Bengalen/ Bangladesh), um in Dorfentwicklungsprojekten mitzuarbeiten. Für mich war das „Spezialvikariat“, für Dorle unbezahlter Urlaub.

Nach dem Examen habe ich erst in Gemeinden in Berlin- Mariendorf und Kreuzberg gearbeitet. Dann aber waren wir 17 Jahre in der Gethsemanegemeinde im Prenzlauer Berg, für uns beide eine sehr wertvolle Zeit, sind wir doch eingetaucht in die Geschichte der Friedlichen Revolution, die für „Westler“ nach wie vor nicht sehr bekannt ist.

Diese Gemeinde sprühte vor Leben. Wir hatten auch einige Abenteuer, die uns öffentliches Interesse einbrachten. So etwa die „eucharistische Gastfreundschaft“ beim 1. Ökumenischen Kirchentag. Die Katholiken haben uns zur Eucharistie eingeladen und wir sie zu unserem Abendmahl. Leider hat die katholische Kirche schon am Tag darauf die beiden katholischen Priester suspendiert, die daran aktiv beteiligt waren. Vor vier Jahren wurde ein Mitglied unserer Gemeinde in der Türkei mit 10 anderen verhaftet und wegen Terrorverdacht angeklagt. Inzwischen sind fast alle wieder frei. Es hat sich ein Kreis
etabliert, der – in der Tradition der Friedlichen Revolution – jeden Abend ein politisches Fürbittgebet für Inhaftierte in der Türkei und anderen Ländern hält.

In jungen Jahren habe ich ein wenig Kirchenmusik studiert und an der Kirchenmusikschule in Bayreuth die „C- Prüfung“ gemacht. Das Hobby des Orgelspielens habe ich beibehalten. Wir singen beide begeistert im Chor und haben eigentlich immer im Chor unserer jeweiligen Gemeinde mitgesungen.

Dorle arbeitet zur Zeit im Vorstand der Berliner Tafel, was sie sehr reizt und dieses Amt aber für ein knappes Jahr ruhen lassen muss.

Nun sind wir sehr gespannt auf ein neues Umfeld, eine neue Gemeinde und vor allem darauf, Euch alle kennenzulernen. Ach ja: und so sehen wir ohne Masken aus.

Herzliche Grüße,
Eure Dorle (Simon-Zeiske) und Christian (Zeiske)

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