Aktuell

Warum heißt das eigentlich Abendmahl

Viele Kirchen beginnen schon im Grundschulalter mit dem Konfirmandenunterricht

08. März 2012

konfirmandenunt-grundschulalter“Darf ich die Dose aufmachen?” – Sechs Augenpaare schauen in die kleine graue Plastikdose, in der münzgroße Oblaten liegen. “Das sind Hostien”, erklärt Anna Höfer. Zusammen mit Jos Staiger gestaltet sie für ihr Kind und weitere fünf Drittklässler aus Deckenpfronn bei Böblingen den sogenannten “Konfi 3”-Unterricht. Bei diesem Modell werden die Konfirmanden im dritten und achten Schuljahr statt in der siebten und achten Klasse unterrichtet.

Der Unterricht in der dritten Klasse sei eine wichtige Station zwischen Taufe und Konfirmation, sagt Martin Hinderer, der das württembergische Konfi-3-Modell entwickelt hat. Er sieht darin auch eine “Reaktion auf die nachlassende kirchliche und religiöse Sozialisation”. Rund die Hälfte aller evangelischen Landeskirchen in Deutschland bieten solche oder ähnliche Modelle mit einem frühen Start des Konfirmandenunterrichts an.

Neben dem üblichen Konfirmandenunterricht in der Mittelstufe, den ein Pfarrer hält, werden bei Konfi 3 auch die Eltern einbezogen – ähnlich wie beim katholischen Kommunionsunterricht. In Kleingruppen vermitteln sie in drei bis sechs Monaten bei wöchentlichen Treffen ihren und anderen Kindern Themen wie “Abendmahl” und “Taufe”. Jede Einheit schließt mit einem gemeinsam gestalteten Gottesdienst ab, darunter auch ein Tauferinnerungs- und ein Abendmahlgottesdienst.

“Warum heißt das eigentlich Abendmahl? Wir essen das Brot doch morgens im Gottesdienst”, fragt Sandra. Das Mädchen mit dem blonden Pferdeschwanz geht zu Konfi 3, “weil ich an Gott glauben will”, wie sie sagt. Kinder im Alter von acht bis neun Jahren sind religiös sehr empfänglich, sagt Kristina Schnürle, Dozentin für Konfi 3 im Pädagogisch-Theologischen Zentrum der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. “Viele Kinder fragen in dieser Zeit nach Gott und beschäftigen sich mit Tod und Sterben. Man vergibt eine große Chance, wenn man auf das Interesse der Kinder nicht eingeht.”

Grundschüler seien für symbolische Handlungen wie Brot und Wasser für Abendmahl und Taufe meist empfänglicher als Jugendliche, sagt Schnürle: “Konfi 3 ist ein kirchliches Angebot, das sich vom Religionsunterricht unterscheiden soll. Es geht nicht nur um Wissensvermittlung, sondern darum, dass Kinder Kirche erleben.”

Die vier Mädchen und zwei Jungs, die um den Esszimmertisch von Familie Staiger sitzen, üben für das erste Abendmahl ihres Lebens. Anna Höfer gibt jedem eine Hostie. “Am besten bildet ihr mit der Hand eine Schale, in die das Brot oder die Hostie hineingelegt wird”, sagt Höfer. “Die sind aber klein, wie eine Tasse für Puppen”, ruft Sandra und hält einen kleinen silbernen Abendmahlkelch in die Luft. “Ja, es gibt die kleinen Einzelkelche, da passt für jeden nur ein Schluck Traubensaft hinein. Oder es gibt große Kelche, aus denen trinkt man gemeinsam”, erklärt Jos Staiger den kleinen Konfirmanden.

Der Tübinger Professor für Religionspädagogik Friedrich Schweitzer hat das Konfi-3-Modell in Württemberg wissenschaftlich untersucht. Er fand heraus, dass auch Eltern profitieren: Mehr als die Hälfte der Eltern gab an, dass die ehrenamtliche Mitarbeit ihnen selbst gut tue. Knapp 50 Prozent der mitarbeitenden Mütter und Väter hatte durch Konfi 3 zum ersten Mal intensiveren Kontakt zur Kirche.

Die Idee für einen Konfirmationsunterricht im Kinder- und Jugendalter hatte Pastor Hans-Wilhelm Hastedt bereits 1976. Der Pastor der hannoverschen Landeskirche verteilte in seiner Gemeinde in Hoya den zweijährigen Unterricht statt auf die siebte und achte Klasse auf das vierte und achte Schuljahr. Damit wollte er erreichen, dass Kinder schon früher mit biblischen Geschichten vertraut werden. Heute gibt es in fast einem Viertel der Gemeinden der hannoverschen Landeskirche das “Hoyaer Modell”.

In der letzten Konfi-3-Stunde in Deckenpfronn misst Jos Staiger die Körpergröße jedes Kindes und vergleicht sie mit der Größe, die die Drittklässler zu Beginn der Konfi-3-Zeit hatten. Lena ist jetzt ganze 1,35 Meter groß. “Ich bin zwei Zentimeter gewachsen”, verkündet sie stolz. “Hoffentlich sind die Kinder auch in ihrem Glauben gewachsen”, sagt Anna Höfer. (epd)

Warnung vor leichtfertigen Schuldzuweisungen

Karfreitagsbotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden Präses Nikolaus Schneider

(ekd)

Vor der „Unsitte der leichtfertigen Schuldzuweisungen“ hat der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, gewarnt. In seiner Botschaft zum diesjährigen Karfreitag, dem 6. April, sagt Schneider: „‘Du Opfer‘ ist ein derzeit gängiges Schimpfwort unter Jugendlichen. Es grenzt aus und verweigert Anteilnahme und Solidarität: Wem es schlecht geht, der ist eben irgendwie selbst schuld. Selbst schuld: Das scheint mitunter auch der Grundton in der Auseinandersetzung mit der Finanzkrise in Griechenland zu sein. Wer so spricht, lenkt von der Tatsache ab, dass die europäischen Staaten insgesamt seit Jahrzehnten weit über ihre Verhältnisse gelebt und sogar von der Verschuldung anderer Länder profitiert haben. Selbst schuld: als ob wir mit Schuldzuweisungen die Probleme Europas lösen könnten.

Je komplizierter die Welt für uns aussieht, desto anfälliger werden wir für einfache Antworten und für leichtfertige Schuldzuweisungen, sei es auf den Finanzmärkten, sei es auf dem Schulhof: ‚Du Opfer‘.
Karfreitag wirft ein anderes Licht auf diese Themen: auf Schuldzuweisungen, Selbstrechtfertigung und Opfer. An Karfreitag hat sich Jesus Christus selbst zum Opfer gemacht. Im Predigttext zum Karfreitag im Hebräerbrief heißt es im 9. Kapitel (Vers 26): ‚Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für allemal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben‘.
Sünde ist für moderne Menschen ein sperriges Wort. Christinnen und Christen verstehen Sünde grundsätzlich als das Verhängnis der Gottferne, die Abkehr von Gott, den Versuch des Menschen, selbst wie Gott sein zu wollen. Wer sich selbst letzte Instanz ist, muss Sorge für sich tragen, notfalls auch gegen den Anderen. Das Eingeständnis von Scheitern oder Schuld fällt umso schwerer, je mehr wir darauf angewiesen sind, die Fassade der Selbstrechtfertigung zu wahren. Wie viel einfacher ist es da, sich Opfer zu suchen: Schuld sind immer die anderen.
Aber Karfreitag durchkreuzt dieses Spiel der Schuldzuweisung und Schuldabwälzung. An Karfreitag wird deutlich: Gott geht den Menschen hinterher, hinein ins Dunkle, auch in seine Schuld, in das Leid, in die Einsamkeit. Zum Menschsein gehören Scheitern, Schmerz und Versagen. Gottes Liebe nimmt auch die dunklen Seiten der Welt und der Menschen auf sich, um zu heilen und zu versöhnen. Jesus geht hinein in diese Finsternis, er erleidet den Tod – und er überwindet ihn.
Der Sieg am Kreuz ist keine triumphale Erfolgsgeschichte – jedenfalls nicht nach den gängigen Maßstäben der Welt: Das Heil Gottes für die Welt ist begründet in einem leidvollen und schmachvollen Tod am Kreuz. Und wir glauben: Dieses Ende ist ein neuer Anfang. Gewalt, Unrecht und Tod haben nicht das letzte Wort über den Gottessohn. Deshalb haben Gewalt, Unrecht und Tod auch nicht das letzte Wort in unseren Menschengeschichten.
Wir können uns auch den dunklen Seiten des Lebens stellen, ehrlich und ohne Beschönigung. Wir brauchen keine Opfer mehr, um uns selbst zu rechtfertigen. Wir können uns solidarisch zeigen mit Menschen, die Opfer sind oder zu Opfern gemacht werden. Jesu Opfer am Kreuz macht uns frei: Wir brauchen keine leichtfertigen Schuldzuweisungen mehr.

Orgelklänge in der Megastadt

Die Deutsche Evangelische Kirche in Kairo feiert 100. Geburtstag
20. April 2012

kairoMit einem weichen Lappen poliert Andrea Busse die Ornamente der schweren Kirchentür. “Lange wird es wohl nicht dauern, bis der Staub wieder da ist, aber erst einmal sieht es doch schön aus, oder?” Die Pfarrerin mit dem blonden Pferdeschwanz nickt zufrieden. Im Inneren wird die Kirche gestrichen, und von der Empore sind Hammerschläge zu hören. Letzte Vorbereitungen für den großen Tag. Die Deutsche Evangelische Kirche in Kairo wird am 21. April 100 Jahre alt, und das will die Gemeinde groß feiern. Altbischof Wolfgang Huber reist dafür von Deutschland an den Nil, um die Festansprache zu halten.

Die Kirche liegt an einer der lautesten und staubigsten Kreuzungen von Kairo. Auf der Straße stehen Minibusse hupend im Stau. Fisch- und Spielzeughändler bieten ihre Waren an und oben drüber, auf der Höhe der Kirchturmspitze, brausen Autos auf einer Hochstraße vorbei.

Unweit von hier, am Tahrir-Platz, steht immer noch das Protestcamp der Demonstranten. “Es ist immer Überwindung, durch den Verkehr hierher zu kommen”, sagt Pastorin Busse: “Doch wenn man die Kirche betritt, wird man belohnt”.

Tatsächlich, sobald die schwere Tür ins Schloss gefallen ist, rücken die Geräusche der Stadt in weite Ferne. Die Kirche mit ihrem schlichten, fast quadratischen Kirchenschiff strahlt Ruhe aus. “Diese Gelassenheit findet man selten in einer Megastadt wie Kairo”, sagt Busse.

Von der Empore klingt jetzt die Orgel herunter. Der saarländische Orgelbauer Gerhard Walcker schlägt die Tasten an. “Mein Urgroßvater hat diese Orgel damals hier eingebaut, und ich habe sie im vergangenen Jahr wieder spielbar gemacht”. Die Orgel ist wie die Kirche etwas ganz Besonderes: “Es ist eine romantische Orgel. Solche weicher klingenden Instrumente wurden nur in einer kurzen Periode gebaut”, erklärt er und lässt die Streicher-Pfeifen im linken Teil der Orgel sanft erklingen. Zum Geburtstag der Kirche soll auch die Orgel mit einem feierlichen Konzert wiedereingeweiht werden.

Die Kirche von Kairo stammt aus einer Zeit, als Deutschland noch plante, Großmacht zu werden. Die Altarbibel hatte die Kaiserin mit eigenhändiger Widmung versehen, heißt es in der Chronik über den Tag der Eröffnung, “Kirche und Vorplatz waren mit Girlanden, Blumen und Fahnen festlich geschmückt”.

Die evangelische Gemeinde von Kairo war 1864 gegründet worden und ist dann schnell gewachsen. Vor 100 Jahren lebten 1.842 Deutsche in Kairo. “Sie spielten im Leben der Stadt eine große Rolle, da sie wichtige Funktionen in der Verwaltung und als Hoteliers innehatten”, sagt Angelika Marks. Sie hat gemeinsam mit der Archäologin Gisela Fock die Gemeindearchive studiert und die Chronik der Kirche verfasst.

“Die Gemeinde war damals reich und konnte sich deswegen diese prächtige Kirche leisten”, sagt Marks. Und es war nicht irgendeine Kirche: “Es wurde natürlich ein deutscher Architekt beauftragt, denn es ging auch darum, deutsche Identität zu zeigen”. Statt des in Berlin damals überwiegenden neugotischen Stils entstand aber eine spätklassizistische Kirche mit Jugendstilelementen. Dies und die Wahl des Standortes löste damals in der Gemeinde heftigen Streit aus.

“Das erworbene Terrain liegt in Boulak, einem der verrufensten und schmutzigsten Araberviertel der Stadt”, hieß es damals in einem Flugblatt gegen den Kirchbau. Und weiter: “Das Gelände liegt am Ismaelia-Kanal, der von der einheimischen Bevölkerung zum Waschen und Baden benutzt wird. Wegen mangelnder Beaufsichtigung treiben Katzen- und Tierkadaver im Kanal”.

Damals lag die Kirche am Rande der modernen Stadt, heute ist sie mittendrin. Da, wo damals der Kanal floss, verläuft heute eine Straße. Allerdings wohnen nur noch wenige der 130 Gemeindemitglieder in der Innenstadt. Die meisten leben in ruhigeren Vierteln oder am Stadtrand, und für die ist der Weg zur Kirche weit und beschwerlich.

“Es ist eine ganz besondere Gemeinde”, sagt Axel Matyba, der sich mit seiner Frau Andrea Busse die Pfarrstelle teilt. Viele Gemeindemitglieder seien im mittleren Alter und hätten kleine Kinder. “Sie kommen für einige Jahre nach Kairo und gehen dann wieder”, beschreibt er. Hinzu kommen Frauen, die mit Ägyptern verheiratet sind und die über die Gemeinde ein bisschen Heimatanschluss suchen.

“Das Besondere ist auch, dass viele von unseren Gemeindemitgliedern erst hier in Ägypten zur Kirche gefunden haben”, sagt Busse. Ägypten sei ein sehr religiöses Land, das färbe ab. “Bei vielen sind es zunächst die Fragen ihrer Kinder”, sagt sie, “die Kinder sehen, wie die Muslime fünf Mal am Tag beten und sie wollen wissen, wie eigentlich Christen beten”.

Um es der Gemeinde einfacher zu machen, kommen die Pfarrer ihr oft entgegen. So wird der Gottesdienst nur ab und zu in der Kirche gefeiert – und immer öfter im Garten einer Familie, die am Stadtrand wohnt oder sogar in einem Tal in der Wüste.
(epd)

Gottes Geist schafft neue Wege

Pfingstbotschaft des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider:
Hannover, 25. Mai 2012

Pfingsten ist das Fest der Erneuerung: Aus Zögern wird Begeisterung, aus Angst wird Mut, aus Rückzug wird Aufbruch. Gottes Geist schafft neue Wege mitten in der Welt und macht tiefe Verständigung möglich – über innere und äußere Grenzen hinweg.

So lesen wir in der Apostelgeschichte im zweiten Kapitel: „Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte 2, 1-4)

Pfingsten ist ein Wunder des Hörens und des Verstehens. Pfingsten öffnet Ohren und Augen. Der Heilige Geist lässt Menschen neu hören und neu verstehen: Gottes Gegenwart lässt sich in unserem Leben und in unserer Welt wahrnehmen und entdecken.

Pfingsten geht zu Herzen. Als die Menschen damals die Pfingstpredigt des Petrus hörten, „ging’s ihnen durchs Herz“, und sie fragten: „Was sollen wir tun?“ (Apostelgeschichte 2,37). Belebt und befeuert durch den Pfingstgeist brechen die Christinnen und Christen auf in die Welt, um ihr von Gottes Gegenwart in Jesus Christus zu erzählen.

Pfingsten gibt Kraft zur Umkehr. In diesen Zeiten vieler Krisen erkennen wir, dass manche alte Muster an Wert verlieren. So gefährdet der Irrglaube, Wohlstand für alle durch immerwährendes quantitatives Wirtschaftswachstum zu erzielen, die Zukunft der Erde und der nächsten Generationen.
Unsere Welt braucht eine gerechtere Verteilung der Güter und ein neues Wachstumsmodell, das sich nicht allein an der Höhe des Bruttoinlandsprodukts misst, sondern ein qualitatives Wachstum befördert. Für den Frieden in unserer Gesellschaft brauchen wir gerechte Zugänge zu Gesundheit, Bildung und Arbeit und eine Beteiligung Vieler an der Gestaltung unserer politischen Prozesse.

Deutschland, Europa und die ganze Welt stehen vor vielen Herausforderungen, ohne dass die alten schon bewältigt wären. Gottes Geist kann Einsicht und Mut schenken, verhärtete Positionen und Rechthabereien zu überwinden.

Pfingsten sagt: Christus ist bei uns. Der auferstandene Herr ist durch den Heiligen Geist bei seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern gegenwärtig. Daran glaubt und darauf hofft die Christenheit. So schlug am ersten Pfingstfest die Geburtsstunde für die große und bunte, vielfältige und vielstimmige Kirche Jesu Christi. Sie lebt bis heute in sehr verschiedenen Formen und Gestalten auf der ganzen Welt. Deshalb erinnern und feiern alle christlichen Kirchen zu Pfingsten das Geschenk dieses einen, vielfältigen, sprachkräftigen, tröstenden und ermutigenden Heiligen Geistes als Geburtstag der Kirche.

Im Dom zu Ratzeburg wird in diesem Jahr der Geburtstag einer Kirche in ganz besonderer Weise gefeiert. Die evangelische Kirche in Deutschland freut sich über die Gründung der neuen “Evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland” und feiert das in einem großen Gottesdienst. Der Aufbruch in die neue “Nordkirche” ist ein mutiger Schritt, und eine deutsch-deutsche Vereinigungsgeschichte der ganz besonderen Art.
(epd)

Auslandspfarrkonferenz in Wittenberg – Drei Fragen an Auslandsbischof Schindehütte

Frankfurt a.M./Wittenberg (epd). Rund 100 Pfarrer aus den Auslandsgemeinden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nehmen ab Dienstag in Wittenberg an einer Auslandspfarrkonferenz teil. Derzeit gebe es 139 evangelische Pfarrer, die in Auslandsgemeinden tätig sind, sagte EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte dem Evangelischen Pressedienst (epd). Seit der ersten Weltkonferenz 2008 sind seinen Angaben zufolge neue Stellen in Shanghai, Dubai und am Roten Meer entstanden. Schwerpunktthema des Treffens ist das Reformationsjubiläum. Schindehütte sagte, dass die Auslandspfarrer im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2017 “örtliche Botschafter der Reformation” seien.

epd: In dieser Woche treffen sich in Wittenberg Pfarrer aus den deutschen Auslandsgemeinden. Wie viele Posten in deutschsprachigen Gemeinden gibt es aktuell?
Martin Schindehütte: Derzeit gibt es 139 evangelische Pfarrer, die in Auslandsgemeinden tätig sind. Bei einem Frauenanteil von 20 bis 25 Prozent ist die Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland keine Männerdomäne mehr. Seit der ersten Weltkonferenz vor vier Jahren in Berlin sind drei neue Stellen entstanden.
An erster Stelle sei Shanghai genannt. China ist das Boomland schlechthin – mit einer wachsenden Zahl von Deutschen, die dort arbeiten und leben. Die deutschsprachige Gemeinde, die bald 400 Mitglieder zählt, blüht und gedeiht. Träger der Gemeinde in Shanghai ist ein Verein evangelischer und katholischer Christen. Auch in Dubai gibt es jetzt eine deutschsprachige Gemeinde – in einem vergleichsweise milden islamischen Umfeld. Im Aufbau ist zudem eine Gemeinde am Roten Meer, ein beliebtes Urlaubsziel deutscher Touristen.

epd: Zuletzt wurde die Stelle des Propstes in Jerusalem neu besetzt. Gibt es angesichts des Engpasses beim Pfarrernachwuchs in einigen Landeskirchen genügend geeignete Bewerber für Auslandsposten?
Martin Schindehütte: Bei der Besetzung von Auslandspfarrstellen erleben wir wie die Landeskirchen, dass die Neigung zum Stellenwechsel und die Bereitschaft zur Mobilität etwas nachgelassen hat. Bis jetzt konnten wir jedoch jede Stelle ohne Probleme und ohne Kompromisse bei den Eignungsanforderungen besetzen. Unvermindert groß ist die Nachfrage, wenn es um die Besetzung lukrativer Stellen wie Rom, Paris oder Washington geht.

epd: Das Reformationsjubiläum 2017 rückt näher. Was erwarten Sie dazu von den Auslandspfarrern? Sollen sie als örtliche “Luther-Botschafter” wirken?
Martin Schindehütte: Wir hoffen, dass wir von den Auslandspfarrern erfahren, wie das Reformationsjubiläum bei den ökumenischen Partnern der deutschsprachigen Gemeinden wahrgenommen wird. Für uns ist es spannend zu hören, was etwa in Südkorea oder Südafrika im Hinblick auf den 500. Jahrestag der Reformation vorbereitet wird. Zugleich werden wir die Auslandspfarrer darüber informieren, welche Planungen es in Deutschland für das Reformationsjubiläum gibt, welche Themen in der Lutherdekade anstehen. So gesehen sind die Auslandspfarrer für uns örtliche Botschafter der Reformation.

Gottesdienst und Picknick am Himmelfahrtstag in Agios Ioannis in Kalithies

Am Himmelfahrtstag klopften wir mit unseren Lieder, mit unseren Geschichten und mit unseren Gebeten am Himmel an. Deshalb hatten wir Luftballons mitgebracht, auf die wir einen Namen oder einen Wunsch oder ein Stichwort für ein Gebet geschrieben hatten. Diese Luftballons ließen wir am Ende des Gottesdienstes fliegen und klopften so mit unseren Gebetsanliegen und Wünschen am Himmel an. Für Jesus Christus hat sich der Himmel aufgetan und durch ihn geht der Himmel auch auf uns über. Gott hat uns reich beschenkt.
Pfarrer Michael Petzoldt

Prominente Christen werben für Ende der Kirchentrennung

Prominente Katholiken und Protestanten fordern die Überwindung der Kirchenspaltung. Sie stellten am Mittwoch in Berlin einen Appell für eine Intensivierung der Ökumene vor. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sagte, der Aufruf sei ein “Ausdruck unserer Ungeduld mit dem Zustand der ökumenischen Bemühungen”. Ökumene-Experten vermissten in dem Papier dagegen konkrete Empfehlungen für die Praxis.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), ebenfalls katholisch, erklärte, die Initiative gründe in der gemeinsamen Überzeugung, dass die Trennung der Kirchen nicht länger berechtigt sei, obwohl die Unterschiede anerkannt würden. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, früherer Präsident des Evangelischen Kirchentags, sagte, ihn freue besonders der Aufbruch der katholischen Laien. Die Amtsinhaber beider Kirchen kämen in Sachen Ökumene “nicht recht vom Fleck”.
Dagegen warnte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, vor einer übereilten Kircheneinheit. “Eine Überwindung der Kirchenspaltung ist gleichwohl nicht ohne eine solide theologische Verständigung möglich”, erklärte der Freiburger Erzbischof. Ökumene sei nicht eine politische Frage, sondern zunächst und vor allem eine Frage der Suche nach Gott, unterstrich Zollitsch.
Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sagte Thies Gundlach, aus evangelischer Sicht sei die Reformation noch nicht vollendet. Auf Ebene der Gemeinde sollte “alles ökumenisch Mögliche und von beiden Seiten Gewollte” nicht nur zugelassen, sondern auch bestärkt und durch gemeinsame Zeichen belebt werden, so der EKD-Vizepräsident.
Zu den mehr als 20 Erstunterzeichnern zählen neben Lammert und Thierse der Fernsehmoderator Günther Jauch, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und sowie Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU). Von Mittwoch an können sich weitere Unterstützer dem Aufruf anschließen. Lammert sagte, er habe bereits bei den Vorbereitungen sehr viel Zustimmung erfahren.
Das Papier unter dem Titel “Ökumene jetzt – ein Gott, ein Glaube, eine Kirche” ist ein Aufruf, die historisch gewachsene Kirchenspaltung zu überwinden. Man dürfe nicht bei der Forderung stehenbleiben, dass sich die Kirchen gegenseitig anerkennen. Dieses Ziel sei wichtig, aber zu klein. Anlass des Aufrufs sind der 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils im Oktober und die 500-Jahr-Feier der Reformation im Jahr 2017. Der Aufruf sei “unser Beitrag zur Luther-Dekade”, sagte Lammert. Luther habe die Kirche erneuern, aber nicht spalten wollen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe erstmals die Ökumene auf die Agenda der katholischen Kirche gesetzt.
Nach Ansicht der Grünen-Politikerin Antje Vollmer, die zu den Erstunterzeichnern gehört, muss die gemeinsame religiöse Praxis in vielen katholischen und evangelischen Gemeinden aus der Heimlichkeit heraustreten. Dies sei ein Appell an jeden einzelnen Christen. Thierse sagte, die Initiatorengruppe habe sich bewusst gegen konkrete Forderungen entschieden. Ziel des Appells sei eine Bewegung für die Ökumene.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte den Aufruf. “Nur wenn wir als Christen eins sind, werden wir in der Welt glaubwürdig sein”, sagte ZdK-Präsident Alois Glück in Bonn. Der lutherische Ökumene-Experte Friedrich Weber wertet den Appell als positives Signal, allerdings bleibe die Erklärung zu unkonkret. Die Grünen-Politikerin und Präses der Synode der evangelischen Kirche, Katrin Göring-Eckardt, reagierte zurückhaltend. Es sei gut, dass in der Öffentlichkeit stehende Menschen eine große Sehnsucht nach “einem Mehr an Gemeinsamkeit” haben, schrieb sie in der “Zeit”-Beilage “Christ & Welt”. Es müsse aber auch immer wieder daran erinnert werden, was in den vergangenen 60 Jahren ökumenisch erreicht wurde, fügte sie hinzu und plädierte für mehr Gelassenheit in der Ökumene.
05. September 2012

Theme by Sikhi.sm