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Gottes Geist schafft neue Wege

Pfingstbotschaft des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider:
Hannover, 25. Mai 2012

Pfingsten ist das Fest der Erneuerung: Aus Zögern wird Begeisterung, aus Angst wird Mut, aus Rückzug wird Aufbruch. Gottes Geist schafft neue Wege mitten in der Welt und macht tiefe Verständigung möglich – über innere und äußere Grenzen hinweg.

So lesen wir in der Apostelgeschichte im zweiten Kapitel: „Als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte 2, 1-4)

Pfingsten ist ein Wunder des Hörens und des Verstehens. Pfingsten öffnet Ohren und Augen. Der Heilige Geist lässt Menschen neu hören und neu verstehen: Gottes Gegenwart lässt sich in unserem Leben und in unserer Welt wahrnehmen und entdecken.

Pfingsten geht zu Herzen. Als die Menschen damals die Pfingstpredigt des Petrus hörten, „ging’s ihnen durchs Herz“, und sie fragten: „Was sollen wir tun?“ (Apostelgeschichte 2,37). Belebt und befeuert durch den Pfingstgeist brechen die Christinnen und Christen auf in die Welt, um ihr von Gottes Gegenwart in Jesus Christus zu erzählen.

Pfingsten gibt Kraft zur Umkehr. In diesen Zeiten vieler Krisen erkennen wir, dass manche alte Muster an Wert verlieren. So gefährdet der Irrglaube, Wohlstand für alle durch immerwährendes quantitatives Wirtschaftswachstum zu erzielen, die Zukunft der Erde und der nächsten Generationen.
Unsere Welt braucht eine gerechtere Verteilung der Güter und ein neues Wachstumsmodell, das sich nicht allein an der Höhe des Bruttoinlandsprodukts misst, sondern ein qualitatives Wachstum befördert. Für den Frieden in unserer Gesellschaft brauchen wir gerechte Zugänge zu Gesundheit, Bildung und Arbeit und eine Beteiligung Vieler an der Gestaltung unserer politischen Prozesse.

Deutschland, Europa und die ganze Welt stehen vor vielen Herausforderungen, ohne dass die alten schon bewältigt wären. Gottes Geist kann Einsicht und Mut schenken, verhärtete Positionen und Rechthabereien zu überwinden.

Pfingsten sagt: Christus ist bei uns. Der auferstandene Herr ist durch den Heiligen Geist bei seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern gegenwärtig. Daran glaubt und darauf hofft die Christenheit. So schlug am ersten Pfingstfest die Geburtsstunde für die große und bunte, vielfältige und vielstimmige Kirche Jesu Christi. Sie lebt bis heute in sehr verschiedenen Formen und Gestalten auf der ganzen Welt. Deshalb erinnern und feiern alle christlichen Kirchen zu Pfingsten das Geschenk dieses einen, vielfältigen, sprachkräftigen, tröstenden und ermutigenden Heiligen Geistes als Geburtstag der Kirche.

Im Dom zu Ratzeburg wird in diesem Jahr der Geburtstag einer Kirche in ganz besonderer Weise gefeiert. Die evangelische Kirche in Deutschland freut sich über die Gründung der neuen “Evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland” und feiert das in einem großen Gottesdienst. Der Aufbruch in die neue “Nordkirche” ist ein mutiger Schritt, und eine deutsch-deutsche Vereinigungsgeschichte der ganz besonderen Art.
(epd)

Auslandspfarrkonferenz in Wittenberg – Drei Fragen an Auslandsbischof Schindehütte

Frankfurt a.M./Wittenberg (epd). Rund 100 Pfarrer aus den Auslandsgemeinden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nehmen ab Dienstag in Wittenberg an einer Auslandspfarrkonferenz teil. Derzeit gebe es 139 evangelische Pfarrer, die in Auslandsgemeinden tätig sind, sagte EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte dem Evangelischen Pressedienst (epd). Seit der ersten Weltkonferenz 2008 sind seinen Angaben zufolge neue Stellen in Shanghai, Dubai und am Roten Meer entstanden. Schwerpunktthema des Treffens ist das Reformationsjubiläum. Schindehütte sagte, dass die Auslandspfarrer im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2017 “örtliche Botschafter der Reformation” seien.

epd: In dieser Woche treffen sich in Wittenberg Pfarrer aus den deutschen Auslandsgemeinden. Wie viele Posten in deutschsprachigen Gemeinden gibt es aktuell?
Martin Schindehütte: Derzeit gibt es 139 evangelische Pfarrer, die in Auslandsgemeinden tätig sind. Bei einem Frauenanteil von 20 bis 25 Prozent ist die Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland keine Männerdomäne mehr. Seit der ersten Weltkonferenz vor vier Jahren in Berlin sind drei neue Stellen entstanden.
An erster Stelle sei Shanghai genannt. China ist das Boomland schlechthin – mit einer wachsenden Zahl von Deutschen, die dort arbeiten und leben. Die deutschsprachige Gemeinde, die bald 400 Mitglieder zählt, blüht und gedeiht. Träger der Gemeinde in Shanghai ist ein Verein evangelischer und katholischer Christen. Auch in Dubai gibt es jetzt eine deutschsprachige Gemeinde – in einem vergleichsweise milden islamischen Umfeld. Im Aufbau ist zudem eine Gemeinde am Roten Meer, ein beliebtes Urlaubsziel deutscher Touristen.

epd: Zuletzt wurde die Stelle des Propstes in Jerusalem neu besetzt. Gibt es angesichts des Engpasses beim Pfarrernachwuchs in einigen Landeskirchen genügend geeignete Bewerber für Auslandsposten?
Martin Schindehütte: Bei der Besetzung von Auslandspfarrstellen erleben wir wie die Landeskirchen, dass die Neigung zum Stellenwechsel und die Bereitschaft zur Mobilität etwas nachgelassen hat. Bis jetzt konnten wir jedoch jede Stelle ohne Probleme und ohne Kompromisse bei den Eignungsanforderungen besetzen. Unvermindert groß ist die Nachfrage, wenn es um die Besetzung lukrativer Stellen wie Rom, Paris oder Washington geht.

epd: Das Reformationsjubiläum 2017 rückt näher. Was erwarten Sie dazu von den Auslandspfarrern? Sollen sie als örtliche “Luther-Botschafter” wirken?
Martin Schindehütte: Wir hoffen, dass wir von den Auslandspfarrern erfahren, wie das Reformationsjubiläum bei den ökumenischen Partnern der deutschsprachigen Gemeinden wahrgenommen wird. Für uns ist es spannend zu hören, was etwa in Südkorea oder Südafrika im Hinblick auf den 500. Jahrestag der Reformation vorbereitet wird. Zugleich werden wir die Auslandspfarrer darüber informieren, welche Planungen es in Deutschland für das Reformationsjubiläum gibt, welche Themen in der Lutherdekade anstehen. So gesehen sind die Auslandspfarrer für uns örtliche Botschafter der Reformation.

Gottesdienst und Picknick am Himmelfahrtstag in Agios Ioannis in Kalithies

Am Himmelfahrtstag klopften wir mit unseren Lieder, mit unseren Geschichten und mit unseren Gebeten am Himmel an. Deshalb hatten wir Luftballons mitgebracht, auf die wir einen Namen oder einen Wunsch oder ein Stichwort für ein Gebet geschrieben hatten. Diese Luftballons ließen wir am Ende des Gottesdienstes fliegen und klopften so mit unseren Gebetsanliegen und Wünschen am Himmel an. Für Jesus Christus hat sich der Himmel aufgetan und durch ihn geht der Himmel auch auf uns über. Gott hat uns reich beschenkt.
Pfarrer Michael Petzoldt

Prominente Christen werben für Ende der Kirchentrennung

Prominente Katholiken und Protestanten fordern die Überwindung der Kirchenspaltung. Sie stellten am Mittwoch in Berlin einen Appell für eine Intensivierung der Ökumene vor. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sagte, der Aufruf sei ein “Ausdruck unserer Ungeduld mit dem Zustand der ökumenischen Bemühungen”. Ökumene-Experten vermissten in dem Papier dagegen konkrete Empfehlungen für die Praxis.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), ebenfalls katholisch, erklärte, die Initiative gründe in der gemeinsamen Überzeugung, dass die Trennung der Kirchen nicht länger berechtigt sei, obwohl die Unterschiede anerkannt würden. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, früherer Präsident des Evangelischen Kirchentags, sagte, ihn freue besonders der Aufbruch der katholischen Laien. Die Amtsinhaber beider Kirchen kämen in Sachen Ökumene “nicht recht vom Fleck”.
Dagegen warnte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, vor einer übereilten Kircheneinheit. “Eine Überwindung der Kirchenspaltung ist gleichwohl nicht ohne eine solide theologische Verständigung möglich”, erklärte der Freiburger Erzbischof. Ökumene sei nicht eine politische Frage, sondern zunächst und vor allem eine Frage der Suche nach Gott, unterstrich Zollitsch.
Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sagte Thies Gundlach, aus evangelischer Sicht sei die Reformation noch nicht vollendet. Auf Ebene der Gemeinde sollte “alles ökumenisch Mögliche und von beiden Seiten Gewollte” nicht nur zugelassen, sondern auch bestärkt und durch gemeinsame Zeichen belebt werden, so der EKD-Vizepräsident.
Zu den mehr als 20 Erstunterzeichnern zählen neben Lammert und Thierse der Fernsehmoderator Günther Jauch, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und sowie Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU). Von Mittwoch an können sich weitere Unterstützer dem Aufruf anschließen. Lammert sagte, er habe bereits bei den Vorbereitungen sehr viel Zustimmung erfahren.
Das Papier unter dem Titel “Ökumene jetzt – ein Gott, ein Glaube, eine Kirche” ist ein Aufruf, die historisch gewachsene Kirchenspaltung zu überwinden. Man dürfe nicht bei der Forderung stehenbleiben, dass sich die Kirchen gegenseitig anerkennen. Dieses Ziel sei wichtig, aber zu klein. Anlass des Aufrufs sind der 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils im Oktober und die 500-Jahr-Feier der Reformation im Jahr 2017. Der Aufruf sei “unser Beitrag zur Luther-Dekade”, sagte Lammert. Luther habe die Kirche erneuern, aber nicht spalten wollen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe erstmals die Ökumene auf die Agenda der katholischen Kirche gesetzt.
Nach Ansicht der Grünen-Politikerin Antje Vollmer, die zu den Erstunterzeichnern gehört, muss die gemeinsame religiöse Praxis in vielen katholischen und evangelischen Gemeinden aus der Heimlichkeit heraustreten. Dies sei ein Appell an jeden einzelnen Christen. Thierse sagte, die Initiatorengruppe habe sich bewusst gegen konkrete Forderungen entschieden. Ziel des Appells sei eine Bewegung für die Ökumene.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte den Aufruf. “Nur wenn wir als Christen eins sind, werden wir in der Welt glaubwürdig sein”, sagte ZdK-Präsident Alois Glück in Bonn. Der lutherische Ökumene-Experte Friedrich Weber wertet den Appell als positives Signal, allerdings bleibe die Erklärung zu unkonkret. Die Grünen-Politikerin und Präses der Synode der evangelischen Kirche, Katrin Göring-Eckardt, reagierte zurückhaltend. Es sei gut, dass in der Öffentlichkeit stehende Menschen eine große Sehnsucht nach “einem Mehr an Gemeinsamkeit” haben, schrieb sie in der “Zeit”-Beilage “Christ & Welt”. Es müsse aber auch immer wieder daran erinnert werden, was in den vergangenen 60 Jahren ökumenisch erreicht wurde, fügte sie hinzu und plädierte für mehr Gelassenheit in der Ökumene.
05. September 2012

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