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Gemeindebrief März – Mai (2015)

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ÖKUMENISCHES BEGEGNUNSZENTRUM RHODOS
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Gemeindebrief   März  – April –  Mai   (2015)

Niemand kann Jesus den Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist.  (Korinther 12,3)

Eine seltsame Verbindung –  Kreuz und Taube, was hat das mit Ostern zu tun?

UntitledDas Kreuz ist das christliche Symbol schlechthin: auf allen und in allen Kirchen zu finden. In vielen lutherischen Kirchen zeigt es den sterbenden Christus am Kreuz, in reformierten Kirchen ist das Kreuz leer.
Diese zwei Traditionen belegen schon, dass man das Symbol verschieden ausdeuten kann. Man kann wie die Lutheraner betonen, dass Christus für uns Menschen am Kreuz gestorben ist, um alles, was uns von Gott trennt aus dieser Welt hinauszutragen. Dann wird Karfreitag zum „höchsten“ Feiertag im Kirchenjahr. Man kann aber auch zeigen, dass Christus auferstanden ist, dass er lebt und unter uns ist. Dann ist das Kreuz leer und Karfreitag ist ein Übergang. Das Ziel des göttlichen Handelns ist Ostern (da sind sich übrigens alle christlichen Traditionen einig).
Die beiden Traditionen zum Kreuz aus diesen zwei reforma-torischen Kirchen sind also irgendwie verständlich und haben beide ihre Berechtigung. Gute Gründe sprechen sowohl für die eine, als auch für die andere Tradition.
Aber die im Glauben entscheidende Frage in Bezug auf Kreuz und Auferstehung ist nicht die nach den Gründen für diese oder jene theologische Richtung, sondern die, ob man das glauben kann.

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Gemeindebrief Dezember 2014 – Februar 2015

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Gemeindebrief Dezember (2014) – Januar –  Februar (2015)

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging…

So beginnt alle Jahre wieder das Weihnachtsevangelium nach Lukas und mit ihm für viele deutschsprachige Menschen das schöne, anheimelnde Weihnachtsfest: Endlich Ruhe, Entspannung, feiernde Gemeinschaft, Geschenke als Zeichen liebevoller Zuwendung.

Dabei schreibt dieser Beginn der Lukaserzählung von Weihnachten dieses Geschehen in keine entrückte, ausgesparte Zeit hinein, sondern in eine reale Welt. Der Kaiser regiert; er bestimmt, was zu tun ist; nirgendwo ist wirklich Frieden, an den Grenzen des Reiches im Norden wird gekämpft. Und die Befehle des Kaiser schaffen neue Unruhe: Josef und Maria müssen ihr Zuhause verlassen. Und dort, wo sie hinkommen, erwartet man sie nicht. Man will sie eigentlich auch gar nicht, es sind ja schon genug da! Zwar sind sie Mitbürger, aber für sie ist hier kein Platz.

Das erinnert sehr an deutsche  Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg. Und wenn man den Begriff „Mitbürger“ nicht auf die Nation beschränkt, sondern ausweitet auf die ganze Welt, in der wir alle „Mitbürger“ sind, dann erinnert das auch sehr an Bilder aus dem Fernsehen von Menschen auf der Flucht in dieser Welt.  Der Weihnachtsfrieden also eine Illusion?

kirc

 

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Gemeindebrief – Sep-Nov

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GEMEINDEBRIEF SEPTEMBER-NOVEMBER

Liebe ist nicht nur ein Wort

Liebe Schwestern und Bruder!
Aus vielen Gottesdiensten ist es kaum mehr wegzudenken, das Lied von Eckart Bucken: Liebe ist nicht nur ein Wort. Mit seinem Lied hat er ein wirklich neues geistliches Gedicht vorgelegt. Jeder neuzeitliche Dichter wird ihm das bestatigen: Er hat Wirklichkeiten ver-dichtet, ins Wort gebracht. Jeder versteht sofort die Wahrheit der Satze.
Die Worter, die diese komplexen geistigen Welten eroffnen, lauten: Liebe, Freiheit, Hoffnung. Jeder von uns lebt in und von diesen geistigen Welten. Das wird sichtbar, wenn wir die Abwesenheit dieser Welten uns vor Augen stellen: Wo es keine Liebe gibt, gibt es irgendwann auch kein Zukunft mehr; wo es keine Freiheit gibt, stirbt das Leben ab; wo es keine Hoffnung gibt, herrschen Trostlosigkeit und Verzweiflung. Durch den Blick auf das Fehlen dieser geistigen Welten wird also sichtbar, wie dringend wir sie zum Leben brauchen und zugleich wird sichtbar, was die Verdichtung der Gedanken im Lied uns auch einpragt, gleich dreimal: das sind nicht nur Worte! Wenn das nur Worte bleiben, dann passiert nichts, dann sind die angesprochenen geistigen Raume leer. „Ich liebe dich“ zu sagen und nicht zu meinen, ist Lug und Trug, fuhrt zum endgultigen Ende einer Beziehung. Von Hoffnung zu reden und doch keine Hoffnung zu haben, lasst die Krafte schwinden.

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Gemeindebrief Juni-August

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WIR WUNSCHEN EUCH ALLEN EIN GESEGNETES
PFINGSTFEST 2014

Der heilige geist ist ein bunter vogel
der heilige geist
er ist nicht schwarz
er ist nicht blau
er ist nicht rot
er ist nicht gelb
er ist nicht weiss
der heilige geist ist ein bunter vogel
er ist da
wo einer den andern trägt
der heilige geist ist da
wo die welt bunt ist
wo das denken bunt ist
wo das denken und reden und leben gut ist
der heilige geist lasst sich nicht einsperren
in katholische käfige
nicht in evangelische käfige
der heilige geist ist auch kein papagei der nachplappert
was ihm vorgekaut wird
auch keine dogmatische walze
die alles platt walzt
der heilige geist
ist spontan
er ist bunt
sehr bunt
und er duldet keine uniformen
er liebt die phantasie
er liebt das unberechenbare
er ist selbst unberechenbar

(Wilhelm Willms (1930-2002), in: roter faden gluck.,lichtblicke, Kevelaer)

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Gemeindebrief März-Mai

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DIE EVANGELISCHE FASTENAKTION 7 WOCHEN OHNE
„Selber denken! 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten“

UntitledUnter diesem Motto steht die diesjährige Fastenaktion

Inzwischen lassen sich jährlich mehr als drei Millionen Menschen mit 7 Wochen Ohne aus dem Trott bringen. Sie verzichten nicht nur auf Schokolade, Nikotin oder Alkohol, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: 7 Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen und entdecken, worauf es im Leben
wirklich ankommt. 1983 beschloss in Hamburg eine Gruppe von Journalisten und Theologen, sieben Wochen lang – von Aschermittwoch bis Ostern – zu fasten. Sie starteten einen Aufruf und jährlich wurden es immer mehr Teilneh-mer. In Kirchengemeinden, Schulen und Vereinen haben sich viele Fasten-gruppen gebildet, die sich an der Aktion beteiligen. In diesem Jahr wollen auch wir in einer Fastengruppe Erfahrungen sammeln und uns an dieser Aktion beteiligen.

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Orgelklänge am Nil

In der deutschen Kirche von Kairo wird die 100 Jahre alte Walcker-Orgel restauriert.

Der Arbeitsplatz von Gerhard Walcker-Mayer hat es in sich: in brütender Hitze, mitten in der lärmenden Metropole Kairo hockt er in einem schier unlösbaren Puzzle aus Orgelpfeife, Verstrebungen und Halteringen. Rund um den Kirchbau tobt der Autoverkehr auf sechs Spuren. Doch wenn die Kirchentür ins Schloss fällt, wird die Kirche zu einer anderen Welt. Einzelne Sonnenstrahlen bohren sich durch die Bleiglasscheiben und ziehen den Blick in Richtung Kuppel. “Wenn ich mir vorstelle, dass in diesem Raum ein Orgelkonzert von Bach aufgeführt würde…”, sinniert Gemeindepastor Axel Matyba und spricht den Satz nicht zu Ende. Lange wird er darauf nicht mehr warten müssen: pünktlich zum 100. Geburtstag der Kirche im April 2012 soll die Orgel wieder erklingen.

EKD-Friedensbeauftragter warnt vor Generalverdacht gegenüber Muslimen

Bremen (epd). Der kirchliche Friedensbeauftragte Renke Brahms hat zehn Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vor einem Generalverdacht gegenüber Muslimen gewarnt. “Wir müssen starre Bilder aufbrechen”, mahnte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im epd-Gespräch. “Muslime werden schnell mit einem gewalttätigen Islam in Verbindung gebracht.” Doch nur ein verschwindend kleiner Teil von ihnen sei zur Gewalt bereit. “Wir müssen auf Differenzierung drängen”, appellierte der leitende Bremer Theologe.

“Viele Muslime leben bei uns als friedliche Menschen”, betonte Brahms. Zu den Lektionen, die es nach dem 11. September zu lernen gebe, gehöre es, sie vor einem Generalverdacht zu schützen. Der erste Schritt dazu seien Begegnungen. “Fundamentalisten gibt es überall, auch unter Christen.” Es bleibe die gemeinsame und verbindende Aufgabe aller Religionsgemeinschaften, ihnen die Basis zu entziehen. “Fundamentalismus ist hoch gefährlich”, warnte Brahms, der auch theologischer Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche ist.

Er mahnte dazu, die Wurzeln des Terrorismus in den Blick zu nehmen. “Wir müssen uns doch fragen: Woher kommt dieser Hass auf den Westen, auf die USA, damit wir nicht nur an den Symptomen herumdoktern.” Soziale Ungerechtigkeit im Zusammenhang mit einem globalen Wirtschaftssystem, das viele Menschen in Armut halte, förderten Gewalt und Fundamentalismus. “Die Frucht der Gerechtigkeit wird Frieden sein”, zitierte Brahms die Bibel. “Umgekehrt heißt das: Aus Ungerechtigkeit wächst Gewalt.”

Zu den wichtigsten Lektionen der zurückliegenden Jahre gehöre auch die Einsicht, dass gewaltfreie Lösungen und zivile Hilfe vor militärischen Interventionen stehen müssten. “Vor jedem Einsatz mit Waffen müssen wir sehr viel genauer hinschauen.” Durch Operationen der Streitkräfte in Afghanistan und im Irak sei die Welt nicht friedlicher geworden. Sie hätten aber den Blick auf die Alternativen gelenkt. Doch: “Dem Zivilen wird noch nicht genug Raum gegeben – eindeutig.”

Im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Twin Towers und das Pentagon denke er in erster Linie an die Opfer, ihre Angehörigen und die vielen Helfer. “Und daran, was diese furchtbar-gewalttätigen Anschläge in der Zeit danach an Opfern gefordert haben.” Dazu gehörten unberechtigt Verdächtige, Folteropfer und eingeschränkte Bürgerrechte. Im Zusammenhang mit Folterungen muslimischer Gefangener in Guantánamo und Polen sagte Brahms, Unrecht dürfe nicht mit neuem Unrecht beantwortet werden. “Wir verlieren die Berechtigung, zu agieren, wenn wir unsere eigenen Werte verletzen.”

Begrüßung und Geistliches Wort

Begrüßung und Geistliches Wort

von Frau Präses Katrin Göring-Eckardt im Rahmen der Ökumenischen Feier in der Augustinerkirche in Erfurt am 23.09.2011

“Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja mit meinem Geist suche ich dich am Morgen.” (Jesaja 26,9)

Mit diesem Jesajawort, das die Herrnhuter Brüdergemeine für diesen Tag gelost hat , grüße ich Sie, grüße ich Euch, liebe Schwestern und Brüder, zu unserem Gottesdienst. Ich grüße von Herzen unseren Bruder in Christus, Papst Benedikt XVI. Wir sind dankbar, dass Sie mit uns beten, singen und auf Gottes Wort hören wollen und dass Sie predigen. Ich grüße unseren Bruder Nikolaus Schneider, den Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland; Sie beide leiten diesen Gottesdienst gemeinsam!

Sehr froh bin ich, dass wir mindestens ein Ehepaar unter uns haben, welches die Verbundenheit der Konfessionen in der Familie lebt. Herr Bundespräsident, liebe Frau Wulff. Wie schön, dass Sie beide da sind und mit den evangelischen und römisch-katholischen Christinnen und Christen aus den Gemeinden diesen Gottesdienst feiern. Ein herzliches Willkommen den Schülerinnen und Schülern der katholischen Edith-Stein-Schule und des evangelischen Ratsgymnasiums hier aus Erfurt. Sie bringen die Zukunft unserer Kirchen in unsere Runde.
Ich hoffe, ihr singt laut mit! Und mit uns beten und singen Christenmenschen hier im Augustinerkloster, draußen in der Stadt und zu Hause an den Fernsehgeräten. Wir alle sind Gemeinde Gottes und wir freuen uns, diesen Gottesdienst feiern zu dürfen.

“Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja mit meinem Geist suche ich dich am Morgen.”

Unser ökumenischer Gottesdienst hier ist ein großes und sehr öffentliches Ereignis. Er ist aber trotz der Scheinwerfer keine Show. Er dient nämlich etwas Anderem, etwas viel Größerem. Obgleich uns manches trennt, das Wichtigste verbindet uns: die Sehnsucht nach Gott. Denn unsere Heimat ist der Himmel. Es ist Gottes Licht, das in der Niedrigkeit scheint, im Stall von Bethlehem, das Licht, das von Kreuz und Auferstehung ausgeht.

So will ich auch die Neugierigen begrüßen, die, die uns zuschauen, vielleicht sogar mit Skepsis; die, die wenig von Gott erhoffen, die ihn kaum noch kennen und gar nicht glauben können. Seien Sie versichert, auch christliche Hoffnung ist nicht immer groß und unsere Fragen sind mitunter größer, als der Glaube fest ist. Aber hören Sie vor allem, dass Sie willkommen sind. Fröhliche Christenmenschen nämlich wollen gar nicht unter sich bleiben.

“Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja mit meinem Geist suche ich dich am Morgen.”

Nachts, wenn die Schatten länger werden, sehnen wir uns – in tobender Unruhe, in der Verwirrtheit, in der Ungewissheit – nach Gott. Und es ist Nacht in der Welt: Menschen werden heimatlos: heimatlos auf der Flucht vor Hunger, vor Krieg, vor Umweltzerstörung; heimatlos auch durch Gewalt an Körper und Seele, heimatlos in Enge und in Verzweiflung. Morgens, wenn der Tag noch voller Möglichkeiten ist, suchen wir Gott an den Kreuzwegen und Weggabelungen, wenn wir entscheiden müssen, was richtig ist und gut und dauerhaft. Wie wir leben – ohne Zerstörung; wen wir lieben – ohne Verletzung; was wir tun – ohne Anmaßung. Immer wieder wollen und sollen wir wählen. Und doch wollen wir vor allem eines: Heimat finden, angenommen sein und den Ort kennen, an dem wir bleiben können.

Beheimatet in Gottes Trost, geborgen in seiner Liebe, werden Menschen frei und unverzagt. Oder wie Sie, lieber Bruder Papst Benedikt, es formuliert haben: “ER will, dass zwischen ihm und uns das Geheimnis der Liebe entstehe, das Freiheit voraussetzt.”

Der Mönch Martin Luther ist hier in diesen Mauern der Augustinerkirche zu Erfurt eingekehrt bei Gott und hat diese Liebe gesucht. Und er ist aufgebrochen, hinter sich zu lassen: Macht ohne Liebe, Glaube ohne Freiheit, Angst ohne Ausweg. Aufgebrochen, hin zu einer Freiheit, die in Gott ihre Wurzeln und in der Welt ihren Ort findet, immer wieder, durch die Jahrhunderte hindurch, bis in die jüngere Geschichte, bis heute. Luthers Satz: “Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan” war auch für Christinnen und Christen in der DDR ein kämpferisches, ein stärkendes Wort. Ja, wir konnten getrost wissen, dass Gott größer ist, größer als die kleinbürgerliche SED sowieso, größer als die martialische Stasi aber eben auch. Und gewiss größer als das ganze heuchlerische, unterdrückerische System, das die Menschen klein und den Glauben unsichtbar machen wollte. Und aus dieser Geschichte haben wir erneut gelernt: Wenn man Mauern zu lange bewacht, Mauern aus Stein und Mauern aus Schweigen, dann brechen sie von innen auf: weil die Menschen von der Freiheit wissen.

“Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja mit meinem Geist suche ich dich am Morgen.”

Viele Menschen suchen nach Gott mit ihrem Geist, morgens und abends, allein oder gemeinsam; und Gott sieht alle, uns alle an, mit der gleichen und nur ihm eigenen großen Liebe: ob wir nun alt sind oder jung, Mann oder Frau, so oder anders gläubig, heiter oder bedrückt, egal, wen wir lieben und mit wem wir das Leben teilen. Denn “in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen”, heißt es im Johannesevangelium (14, 2), und dieses Haus, in dem wir wohnen, in das wir kommen können, egal wie wir heißen oder sind, hat auch immer noch Zimmer frei für die, die suchen und bei uns Heimat finden. Wir haben ein Fundament, das Wort Gottes, und wir haben einen gemeinsamen Grund, die Heilige Taufe. Und, ja, zum richtigen Zeitpunkt werden wir am hellsten und besten Ort des Hauses gemeinsam und füreinander den Tisch decken, an den ER uns einlädt, von dem wir gemeinsam essen und trinken, was Jesus an seinem letzten Abend teilte. Nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir es können und weil wir es wollen.

Ich bin Ihnen, lieber Bruder Papst Benedikt, dankbar, dass Sie Station machen hier mit uns, auf dem Weg, den Gott uns schenkt, denn auch die Ökumene ist zuallererst Gottes Geschenk an uns.

“Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts und mit meinem Geist suche ich dich am Morgen”, heißt es bei Jesaja.

Dieser Freitagmittag in Erfurt ist kein gewöhnlicher. Wer jetzt auf uns schaut, soll das spüren. Nein, wir sind nicht besser, größer, reicher als andere, noch nicht einmal alle zusammen. Und ja, wir machen Fehler und denken kurzfristig und egoistisch. Dietrich Bonhoeffer hat aber richtig erkannt: “Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.”

Wer auf uns schaut, soll spüren, dass wir in allem wissen von Gottes Liebe, die uns nicht drängt, sondern trägt, die sich manchmal verbirgt und dann wieder leuchtet mit aller Kraft.

Dass wir diese Liebe kennen, in ihr leben, bei ihr bleiben, dass wir in ihr Heimat finden können und leben im Hause des Vaters, gemeinsam als die eine Gemeinde Jesu Christi, das ist es, was die Suche unseres Geistes ausfüllt und das Verlangen unserer Herzen zur Erfüllung bringt.

Gott segne unser Hören und Reden, unser Singen und Sagen, unser Aufbrechen und Ankommen.

Lasst uns aufstehen, vor Gott treten und beten.

Quelle EKD: www.ekd.de/texte-erfurt-2011

Hinrichtungen sind eine Schande für den Rechtsstaat

“Hinrichtungen sind eine Schande für den Rechtsstaat”
EKD-Auslandsbischof plädiert für Abschaffung der Todesstrafe
10. Oktober 2011

Zum Internationalen Aktionstag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober hat sich der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, für die weltweite Ächtung der Todesstrafe eingesetzt.
Die Vollstreckung des Todesurteils gegen Troy Davis am 21. September in den USA habe wieder einmal gezeigt, dass “dieses Strafmaß einem Rechtsstaat nach westlichem Verständnis nicht angemessen ist”, sagte Schindehütte heute in Hannover. Trotz massiver Zweifel an seiner Schuld und vieler offener Fragen sei Troy Davis getötet worden, was gerade für ein Land mit hohen rechtsstaatlichen Ansprüchen wie den USA nicht hinnehmbar sei. Grundsätzlich seien die Würde des Menschen und sein damit verbundenes Recht auf Leben von staatlicher Seite zu schützen, wie es auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben ist. Dass Menschen immer noch gehängt, vergiftet oder erschossen werden, um eine andere Straftat zu vergelten, sei mit dem christlichen Verständnis von Vergebung nicht vereinbar. “Gerechtigkeit wird nicht durch weiteres Unrecht hergestellt”, so der Auslandsbischof weiter.
Die Todesstrafe verstößt gegen Artikel 3 und 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Die vorsätzliche Tötung von Menschen durch den Staat ist eine Verletzung des Rechts auf Leben und des Rechts, keine grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe erleiden zu müssen. Nicht nur in den USA warten zahlreiche Gefangene auf die Hinrichtung. Mittlerweile haben zwar 139 Länder weltweit die Todesstrafe abgeschafft, doch bleibt sie in 58 Staaten immer noch ein mögliches Instrument. Im vergangenen Jahr sind in 23 Ländern Menschen hingerichtet worden. Als letztes Land in Europa hält Weißrussland an der Todesstrafe fest. Die meisten aller bekannt gewordenen Hinrichtungen finden jedoch in China statt.
Hannover, 10. Oktober 2011
Pressestelle der EKD
Silke Römhild

Hinhören-Aufbrechen-Weitersagen

EKD-Synode beschließt Kundgebung zum Thema Mission
09. November 2011

hinhoerenMit “Leidenschaft und Energie” sei über das Schwerpunktthema “Missionarische Impulse” auf der 4. Tagung der 11. Synode der EKD diskutiert worden, freut sich Kathrin Göring-Eckardt. Schon die bisherige öffentliche Resonanz habe gezeigt, dass die Frage, wie der christliche Glaube in dieser Zeit “Sprache und Gestalt” gewinnen könne, aufmerksam wahrgenommen werde, so die Präses der Synode.
In einer krisenhaften Welt voller Verunsicherung und Beschleunigung wachse die Sehnsucht nach “Zuspruch, Entlastung und Konzentration”. Deswegen gehe es um mehr als die “Bewältigung kirchlicher Mangelerscheinungen” und eine “Strategie zur Gewinnung von Mitgliedern”. Das Evangelium sei der Grund, der dazu verhelfe, Krisen anders zu sehen und anders mit ihnen umzugehen. “Heilsame Unterbrechung, Trost einer verängstigten Seele und die Überwindung von Angst” seien aber nicht nur für Christenmenschen elementar. Sie gelten auch gleichermaßen für die Gesellschaft.

Beschlossen haben die Synodalen eine Kundgebung zum Schwerpunktthema mit folgendem Wortlaut:

Kundgebung
der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ihrer 4. Tagung

Hinhören – Aufbrechen – Weitersagen
Missionarische Impulse 2011

Am Anfang aller Mission steht das Evangelium von Jesus Christus. Dieses Evangelium ist “der wahre Schatz der Kirche” (Martin Luther), den wir nie besitzen, aus dem wir als Kirche leben und den wir immer wieder neu entdecken. Mission ist begründet in Gottes barmherziger Zuwendung zur Welt und lebt von einer heilsamen Besinnung auf das, was uns in Christus geschenkt ist: die bedingungslose Gemeinschaft mit Gott.
Die EKD-Synode 1999 in Leipzig hat Impulse zum Missionsverständnis der evangelischen Kirche formuliert, die wir dankbar aufnehmen:
“Wer glaubt, kann nicht stumm bleiben. Wer glaubt, hat etwas zu erzählen von der Güte Gottes. Darum tragen wir die Bilder des Lebens, des Trostes und der Sehnsucht weiter und treten ein für die Sache Gottes – leise und behutsam, begeistert und werbend. So folgen wir dem Auftrag Jesu Christi”.
Mission “ist an der gemeinsamen Frage nach der Wahrheit orientiert, verzichtet aus dem Geist des Evangeliums und der Liebe selbst heraus auf alle massiven oder subtilen Mittel des Zwangs und zielt auf freie Zustimmung. Eine solche Mission verträgt sich mit dem Gebot der Toleranz. Sie ist geprägt vom Respekt vor den Überzeugungen der anderen und hat dialogischen Charakter.”
Heute stellen wir mit Freude fest, was in dieser Hinsicht in den zurückliegenden Jahren in unserer Kirche unter Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geschehen ist. “Mission” hat einen neuen Stellenwert bekommen; Brücken wurden gebaut zwischen Landeskirchen und missionarischen Bewegungen; Gemeinden haben sich für eine Vielfalt von Beteiligungsformen geöffnet; es fand Austausch statt zwischen Ost und West und mit ökumenischen Partnern. In der EKD sind hier exemplarisch Projekte wie “Jahr der Taufe”, “Erwachsen glauben” und “Willkommen in Gottes Welt” zu nennen.
Andererseits sehen wir, dass Menschen mit dem Glauben nichts mehr anfangen können, gegenüber dem Glauben gleichgültig sind oder der Kirche tragende Antworten auf grundlegende Fragen nicht zutrauen. Wenn wir uns heute erneut dem Thema zuwenden, so geht es dennoch nicht um die Bewältigung kirchlicher Mangelerscheinungen oder eine Strategie zur Gewinnung neuer Mitglieder – auch wenn uns die zurückgehenden Mitgliederzahlen belasten. Vielmehr geht es um eine erneute Vergewisserung darüber, was es bedeutet, sich heute in die Bewegung Gottes zum Menschen mit hineinnehmen zu lassen.
Hinhören – aufbrechen – weitersagen: Diese Schritte werden an der Geschichte von Philippus und dem Kämmerer im 8. Kapitel der Apostelgeschichte anschaulich gemacht (Apg 8, 26-39).

1. Hinhören

Philippus hört auf die Stimme Gottes – und er hört auf das, was den Kämmerer bewegt.

Christinnen und Christen leben mit dem Gesicht zum Himmel und zur Welt. Mission, die sich am Evangelium von Jesus Christus orientiert, ist wahrnehmend: Sie hört auf das, was Gottes Geist den Gemeinden sagt. Sie spürt, im Bild der EKD-Synode von Leipzig gesprochen, ihrem eigenen Herzschlag nach. Sie nimmt wahr, was Menschen sagen und was unsere Gesellschaft beschäftigt.
Das Evangelium von Jesus Christus lässt aufhorchen: Es spricht Menschen frei von Mäch-ten, Ängsten und Zwängen. Es schenkt Vertrauen auf Gott, bewegt zur Liebe zur Welt, eröffnet Hoffnung über den Tod hinaus. Leid, Schmerz und Dunklem zum Trotz vermittelt es Sinn, Ziel und Freude des Lebens. In der Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi begegnet Menschen ein Zuspruch, der sie getrost leben und getröstet sterben lässt. Und sie gewinnen die Gewissheit, dass Gott seine Schöpfung zu einem guten Ziel führen wird. Wem sich diese Wahrheit erschließt, der sieht die Welt und das eigene Leben mit anderen Augen: offen und klar, befreit und getrost, liebevoll und engagiert.
Im Licht des Evangeliums hören wir, was Menschen heute bewegt. Die aktuelle Diskussion um die Krise der Finanzwelt, die Schuldenproblematik in unserer Gesellschaft und die Gefährdung der Natur lösen ein Empfinden tiefer Verunsicherung aus. In einer beschleunigten Welt gibt es die Erwartung, permanent präsent und leistungsfähig sein zu müssen. Bei vielen hat sich ein Gefühl der Erschöpfung breit gemacht. Und es gibt Menschen, die in der beschleunigten Welt immer mehr am Rande stehen. Diese Erfahrungen können zu Verlust an Sinn, Flucht in Geschäftigkeit und Angst vor Veränderung führen. Zugleich wächst die Sehnsucht nach Zuspruch, Entlastung und Konzentration. Das Evangelium von Jesus Christus hilft, sich diesen Phänomenen zu stellen. Es spricht vom Trost einer verängstigten Seele und von der Überwindung der Angst in der Welt.
Die Erfahrungen von Krise, Schuld und Erschöpfung betreffen auch die Kirche. Sie sieht die Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft und sie selbst stehen, aber findet oft nicht die Kraft, sich neu auszurichten. Sie steht in der Gefahr, sich und ihre Mitarbeitenden in überdehnten Strukturen und immer neuen Aufgaben zu erschöpfen. Für die Kirche ist das stete Hinhören auf die befreiende Botschaft des Evangeliums lebensnotwendig. Gegründet allein auf Christus ist sie Salz der Erde. Sie hat die Freiheit, sich ihre Strukturen selbst zu geben und sich zu verändern, damit sie dem Auftrag treu bleibt, zu dem sie von Gott berufen ist.

2. Aufbrechen

Philippus lässt sich vom Geist unterbrechen. Er bricht auf und geht hin auf die Straße, die öde ist.

Das Evangelium spricht von Gottes heilsamer Unterbrechung der Welt in Jesus Christus. Diese Botschaft zielt – immer wieder neu – auf unsere Hinwendung zu Gott. Sie umfasst den grundlegenden Sinneswandel, der sich in der Nachfolge Jesu Christi und im Hören auf sein Wort ereignet. Dazu kann die Anfechtung des glaubenden Menschen gehören, Gott nicht begreifen zu können und trotzdem weiter nach ihm zu suchen. Darin kann sich die beglückende Erfahrung einstellen, von Gott immer schon gesucht und gefunden zu sein.
Wir werden als Kirche darin glaubwürdig und anziehend, wenn wir nicht immer auf alles eine schnelle Antwort haben, sondern uns von Gott verändern lassen. Der Umkehr zu Gott entspricht ein Glaube, der Zweifel bekennt, eine Verkündigung, die sich unbequemen Fragen stellt, und eine Mission, die selbst auf dem Weg ist und lernt.
Christen und Kirche lassen sich unterbrechen durch Gottesdienst und Gebet, durch Nachdenken über den Glauben und durch die offene, lernbereite Begegnung mit anderen. Kirche wird nicht missionarischer, wenn sie “mehr” tut, sondern wenn sie ihr Tun gezielter und klarer ausrichtet. Sie kann ihre Betriebsamkeit unterbrechen, sich besinnen und sich mutig auf das konzentrieren, wozu sie von Gott berufen ist.
Gott kann nicht nur unser Tun, sondern auch unser Lassen segnen. Zum Evangelium von Jesus Christus gehört die grundlegende Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf – und mit ihr die befreiende Erkenntnis der eigenen Geschöpflichkeit und der eigenen Grenzen. Diese Erkenntnis hilft, nicht alles machen zu wollen, sondern sich auf das zu beschränken, was die eigene Aufgabe an diesem konkreten Ort und zu diesem konkreten geschichtlichen Zeitpunkt ist. Zu den zentralen Aufgaben der Kirche am Anfang des 21. Jahrhunderts gehören Konzentration und Neuorientierung auch im Loslassen. Loslassen befreit die Kirche von der Sorge um sich selbst und öffnet den Blick für andere. Die Fähigkeit der Kirche zu mutiger Selbstveränderung und Selbstbegrenzung ist ein Glaubenszeugnis an andere. Kirchliche Reformen lassen sich verstehen als Geschichte geistlicher Einkehr und inneren Aufbruchs.
Weitergeben kann nur wer empfängt. In einem alten Bild hat Bernhard von Clairvaux dies so ausgedrückt: “Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter … Wir haben heutzutage viele Kanäle in der Kirche, aber sehr wenige Schalen. Diejenigen, durch die uns die himmlischen Ströme zufließen, haben eine so große Liebe, dass sie lieber ausgießen, als dass ihnen eingegossen wird, dass sie lieber sprechen als hören.”

Philippus bricht erneut auf – zum Fremden. Er läuft neben dessen Wagen her und begibt sich mit ihm auf den Weg.

Das Evangelium von Jesus Christus überschreitet Grenzen und befreit zur offenen Begeg-nung mit anderen: mit Menschen anderer Herkunft, Kultur, Religion. Das Evangelium ist nicht Besitz der Kirche, sondern ihr Gegenüber. Dies hilft zu unterscheiden zwischen der Gewissheit der Verheißung Gottes und der Begrenztheit aller menschlichen Erkenntnis.
Zwischen Christinnen und Christen weltweit stiftet der Glaube an Christus ein Band tiefer, geschwisterlicher Verbundenheit in Gott bei bleibender konfessioneller Unterschiedenheit. Die Begegnung mit Glaubensgeschwistern anderer Konfessionen und Länder öffnet den Blick für die eigene Situation. Das Bezeugen des eigenen Glaubens gehört zusammen mit dem Eintreten für das Recht der anderen auf ihr religiöses Bekenntnis. Kreative Lernfähigkeit gehört zu Ökumene und interreligiösem Dialog ebenso wie zur Mission der evangelischen Kirche.
Die innere Einkehr öffnet die Kirche zu neuem Handeln in der Welt. Sie ist politisch und en-gagiert – und das pointiert und konzentriert. In der Nachfolge Jesu Christi sind die Liebe zu Gott, die Liebe zum Mitmenschen und die Liebe zur Schöpfung nicht voneinander zu trennen. Die Freiheit, die Gott in Christus schenkt, ist Freiheit zum Dienst am Mitmenschen und an der Welt. Zu den vornehmsten Früchten christlichen Glaubens gehören daher Freude, Kraft und Wille zur Gestaltung der einen gottgegebenen Welt.

3. Weitersagen

Philippus fragt nach und lässt sich fragen. Christliches Zeugnis braucht eine dialogische Haltung. In biblischer Perspektive erschließt sich Wahrheit in der Begegnung. Sie verändert beide Dialogpartner, setzt Sprachfähigkeit im Glauben voraus und stärkt sie zugleich. Christinnen und Christen fragen Menschen nach dem, was sie trägt, und lassen sich selbst fragen. Gelingende Mission ist gemeinsames Entdecken von unverfügbaren Gottesüberraschungen, zu denen Gottes Geist uns führt. So nehmen wir teil an dem unaufhörlichen Dialog Gottes mit seiner Welt.

Wir können als Christen nicht schweigen von dem, was sich uns als wahr erschlossen hat: die Zuwendung Gottes in Jesus Christus zu allen Menschen. “Wo der Glaube ganz unter die Bank gesteckt worden ist, erkennt niemand Christus als Herrn …” (Martin Luther). Mission, die sich am Evangelium von Jesus Christus orientiert, ist fröhlich und zugewandt, kommunikativ und frei. Sie bringt sich kritisch ein in die gesellschaftliche Gestaltung von Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Lebensstil.
Dabei ist das Zentrum der befreienden Botschaft des Evangeliums das anstößige Wort von Kreuz und Auferstehung: Es redet von Sünde, Scheitern und Neuanfang. Wir bleiben den Menschen etwas schuldig, wenn wir ihnen diese Botschaft verschweigen.

Mission widerstreitet allen Kräften, die menschliches Leben verzwecken, verflachen oder veräußerlichen. Und sie widerspricht in Verkündigung und Bildung allen Ideologien, die weltliche Dinge überhöhen und Menschen deren Herrschaft unterwerfen. Sie bringt die Gottesbeziehung als grundlegende Dimension des Menschseins zur Sprache. Die Besinnung auf Gott wahrt Weite, Schönheit und Geheimnis des Lebens.

Der Kämmerer fragt: Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse? Und Philippus tauft ihn.

Weitersagen erschöpft sich nicht im Reden über den Glauben. Das Evangelium wird in Wort und Sakrament zugesprochen: Die Taufe braucht den Glauben – der Glaube braucht die Taufe. Immer mehr Menschen nehmen dankbar die Möglichkeit wahr, sich in Tauferinnerungen vergewissern und in Segnungen berühren zu lassen.

Der Kämmerer zieht seine Straße fröhlich. Menschen, denen sich das Evangelium von Jesus Christus erschlossen hat, sind im Glauben befreit und durch die Taufe in die christliche Gemeinschaft hineingenommen. Sie können von dieser tiefen Lebensfreude nicht schweigen. Als Synode der EKD bestärken wir alle Christinnen und Christen, zum Heil der Menschen und zum Wohl der Welt von dieser Botschaft zu zeugen: im Hinhören – Aufbrechen – Weitersagen.

* * * * *

Apostelgeschichte 8, 26-39
Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8):
“Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.”
Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach:
Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?
Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser.
Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

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